Im Februar 2019 wurde kurz nach der Abstimmung zum Kantonsschulstandort Cham im Zuger Kantonsrat ein Postulat eingereicht, welches von der Regierung Massnahmen für eine «markante Steigerung der Klassen im Kurzzeitgymnasium» forderte.

Der Regierungsrat hat im Mai 2019 die Antwort auf das Postulat als Gelegenheit genutzt, um die Idee einer «Stabilisierung» der Langzeitgymi-Quote aufs Tapet zu bringen.

Generell finde ich Selektion in der Schule gut, Quoten hingegen nicht. Wer in der Lage ist, eine bestimmte Hürde zu meistern, soll dies ohne Ungewissheit über den weiteren Ausbildungsweg tun können. Eine Maturaquote lehne ich persönlich deshalb entschieden ab.

Das Kurzzeitgymnasium per se finde ich eine wertvolle Komponente unseres Schulsystems. Eine «markante» Steigerung der Anzahl Klassen herbeizuführen, bedeutet realistischerweise aber, lenkend einzugreifen und den Ausbildungsverlauf dem Spiel von Anforderungen und Fähigkeiten zumindest teilweise zu entziehen.

Ich möchte weder ein System schwächen, noch ein anderes durch Eingriffe fördern. Es ist ein Wesensbestandteil des Schweizer Schulsystems, dass jeder und jede den Weg beschreiten kann, welcher für sie oder ihn machbar und adäquat ist.

Wenn der Regierungsrat sich zum Ziel setzt, die Eintrittsquote in die Kanti unter 20% zu stabilisieren, widerspricht dies in direkt dem oben genannten Prinzip. Der Regierungsrat widerspricht sich zudem selber, wenn er sagt, dass man zwar die Eintrittsquote «stabilisieren» will, gleichzeitig aber schreibt, dass Massnahmen im Sinne des Postulats dazu führen würden, «dass zahlreiche Schülerinnen und Schüler mit dem Potential, das Langzeitgymnasium erfolgreich zu absolvieren, dies nicht mehr besuchen könnten».

Will man die Anzahl Langzeitgymnasiasten dämpfen, muss schlichtweg die Latte höher angesetzt werden.

Die Absicht des Postulats, das Kurzzeitgymi zu stärken, unterstütze ich persönlich im Grundsatz. Man muss sich einfach bewusst sein, dass damit die im Postulat eingangs erwähnten Schulraum-Fragen nicht gelöst, sondern auf die Gemeinden verlagert werden.

Wir haben im Kanton Zug bildungspolitisch eine spezielle «Clientele», welche stark akademisiert ist. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir als wirkungsvolle Strategie, einerseits die bereits unternommenen Anstrengungen im Zusammenhang mit der Sek 1 + weiterzutreiben und zu intensivieren. Daneben kann und soll die Zusammenarbeit mit dem Gewerbe weiterentwickelt werden. Einen Weg, welchen ich in Cham beschreiten will, ist die «Aufklärungsarbeit» bei den Eltern. Wer für sein Kind nur das Beste will und weiss, dass dies auch über die Sekundarschule oder das Kurzzeitgymnasium erreicht werden kann, sollte weniger geneigt sein, entgegen den Fähigkeiten und Neigungen des Kindes dieses ins Langzeitgymnasium zu «stossen».

Zusammenfassend bin ich in der öffentlichen Schule gegen jede Art von Quote oder Lenkung. Die Stärkung des dualen Bildungssystem und des Kurzzeitgymnasiums soll nicht verordnet, sondern durch intensive Information und Aufklärung herbeigeführt werden.

Die Entscheidung, was für die Jugendlichen und die Wirtschaft gut ist, soll in einem Land, dessen wichtigste Ressource die Bildung ist, nicht vom Staat gefällt werden.

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