Der langsame Tod des Bindestrichs

Er stirbt einen langsamen Tod – der uns so ans Herz gewachsene Bindestrich. Wo man hinschaut, was man liest: Immer seltener wird er gebraucht und verkümmert. Und niemanden scheint es zu kümmern. Ausser vielleicht einigen Rechtschreibe-Aficionados, welche ihn hartnäckig am Leben halten. Auch ich gebe mir alle Mühe, ihn am Leben zu erhalten. Warum? Ich glaube an den Bindestrich. Ich habe in der Schule gelernt, wofür er ist. Und ich muss er sagen, er hat durchaus einen Nutzen. Viel wichtiger scheint mir aber: Die geschriebene Sprache ist ein Teil unserer Kultur. Wenn ich mir aber heutzutage Schriftstücke anschaue, wimmelt es von Fehlern, fehlenden Satzzeichen und falsch verwendeten Ausdrücken. Ich gestehe, dass ich mich diesbezüglich zu den „Fundis“ zähle. Ich habe Freude an einem gut formulierten, fehlerfreien Text. Stil und Inhalt gehören für mich zusammen. Ein Text kann noch so klug sein – wenn er schludrig daherkommt, ergibt es keine Einheit – und vice versa.

Aber die neue „Schludrigkeit“ in der Sprache geht in einem gewissen Masse leider einher mit dem realen Leben. Auftragsgemäss ausgeführte Arbeiten lösen bei mir schon fast Glücksgefühle und Stauen aus. „Einen Text genau durchlesen? Hmmm. Schwierig. Dazu habe ich irgendwie keine Lust. Mein iPhone ist spannender.“ Etwa so lautet der Zeitgeist in unserer schnelllebigen, kurzfristigen und immer oberflächlicheren Welt. So gehört das Weglassen des Bindestriches schon fast zu guten Ton. Aber ich wehre mich dagegen, weil ich nicht akzeptieren will, dass unsere Sprache immer beliebiger wird. Es ist ein Codex, an welchen wir uns halten sollten.

Nicht jeder und jede kann und soll machen, was er oder sie will.

Bei gewissen Dingen gelten Regeln, welche eingehalten werden sollten. Eine Fehlerkultur toleriere ich nicht, weil sie nämlich auf das tägliche Leben abfärbt. „Ist ja nicht so schlimm. Das lassen wir durch.“ In der Schweiz, welche von ihrer Präzision und Technologie lebt, darf dies nicht einfach so zugelassen werden. Seit das Englische immer mehr Einzug in unsere Sprache hält, stelle ich fest, dass offenbar viele Leute verwirrt sind.  Also hier nun nochmals ein Versuch zur Rettung des Bindestrichs. Ich mache es wie folgt:

  • Kein Bindestrich: bei Englischen, zusammengesetzten Wörtern; z.B side road, street party
  • Bindestrich: bei der Kombination von Deutschen mit fremdsprachigen Wörtern; z.B. Strassen-Party, Snowboard-Lehrer
  • Bindestrich: bei zusammengesetzten Wörtern, wenn es dazu dient, die Leserbarkeit eines Textes zu verbessern, meist bei schon zusammengesetzten Wörtern wie Vierwaldstättersee oder Autobahn; Vierwaldstättersee-Verbindung, Autobahn-Ausfahrt

Die fehlenden Bindestriche sind das eine. Die Verwechslung des deutschen mit dem englischen Genitiv ist das andere. Aber eben.

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