NIMBY – Not in my backyard

Die aktuelle Debatte um die Klimabewegung, welche auch Teile der Schweiz erfasst hat, fördert ein weit verbreitetes Phänomen zutage, welches sich durch sämtliche politischen und gesellschaftlichen Lager zieht: NIMBY – „Not in my backyard“. Man setzt sich für eine Sache ein, distanziert sich dann aber davon, wenn eine konsequente Haltung einen selber einschränken würde. Ganz nach dem Motto: „Ich wüsste schon, wie es geht. Wenn doch nur die anderen sich daran halten würden.“ Ob Politik im Allgemeinen, im Umweltschutz, bei den Finanzen: überall finden sich Leute, welche ihre Meinung kundtun und selber aber das Gegenteil machen.

In der Politik erlebe ich es immer wieder, dass Leute der Politik ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Oftmals kann ich sie dann aber mit einer relativ einfachen Frage „mundtot“ machen: „Was genau tust denn nun du selber dafür, damit es besser wird?“. In 80% der Fälle folgt auf diese Frage betretenes Schweigen oder ein bemühtes Winden. Gemeinsinn wäre hier das Stichwort.

Und nun eben wieder beim Thema Umwelt. Man kauft sich einen Tesla oder kauft Bioprodukte, weil ja beides umweltfreundlich zu sein scheint. Beim Brainstorming zum nächsten Ferienort fällt gewissen Bürgern aus der 1. Welt halt dann doch nichts umweltfreundlicheres ein, als mit dem Flugzeug nach Schweden zu fliegen, um dort die Natur zu bestaunen. Oder nach Dubai, weil diese Stadt so faszinierend sein müsse.

Wenn mir im Leben allgemein und in der Politik im Speziellen etwas sauer aufstösst, ist es das inkonsequente Handeln, das Auseinanderdriften zwischen dem moralischen Anspruch und dem eigenen Tun. Gemeinhin spricht man hier auch von Heuchelei. Ich bin mir bewusst, Konsequenz nicht immer leicht ist. Aber wenn so schwierig ist, sollte man die Moralin-Dosis in seinen Aussagen etwas verringern und sich stattdessen an der Realität orientieren und in kleinen Schritten seinen Worten auch Tagen folgen lassen. Ich persönlich habe aufgehört, zur Arbeit zu pendeln, weil ich es kein optimales Modell finde. Seit Anfang Jahr habe ich das Privileg, mit dem Velo zur Arbeit gehen zu können und letzte Woche habe ich unseren Zweitwagen abgegeben. Geflogen bin ich vor 3 Jahren letztmals. Mein bescheidener Beitrag an die Umwelt.

Claudia Wirz hat in der NZZ vom 9. März 2019 einen eigentlich tragikomischen Artikel zum Thema „Jugendlicher Umweltschutz und Fliegen“ verfasst. Er ist sehr lesenswert und geht genau auf das NIMBY-Problem ein.

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