Es ist den kommenden Generationen gegenüber nichts als fair, ein stabiles und gutes Vorsorgesystem zu hinterlassen.

Die Schweizer werden immer älter: Die durchschnittliche Lebenserwartung hat mittlerweile den weltweiten Spitzenwert von 82.7 Jahren erreicht. Darüber können wir uns grundsätzlich freuen. Die stetig steigende Lebenserwartung führt aber auch dazu, dass unsere Altersvorsorge dringend reformiert werden muss, weil die zukünftigen Verpflichtungen schon jetzt nicht mehr gedeckt sind.

In der 1. und 2. Säule besteht dringender Handlungsbedarf.

Das Schweizer Vorsorgesystem muss dringend reformiert werden. Sowohl die AHV, als auch die Pensionskassen können die Versprechen, welche sie machen, nicht decken. Damit das System am Laufen bleibt, nimmt man einfach eine Umverteilung von Jung zu Alt in Kauf.

Im Grund genommen ist das Vorsorgesystem ein Schneeballsystem in welchem alle hoffen, am Ende nicht belangt zu werden.

Im Grunde genommen haben wir ein sehr gutes System zur Absicherung für das Alter. Das System ist jedoch derart komplex und technisch geworden, dass insbesondere Junge sich damit nicht befassen wollen. Das ist ein grosser Fehler, denn sie sind es, welche die ungedeckten Checks bezahlen müssen.

Ich setze mich deshalb im Interesse der jüngeren Generationen für eine faire Reform des Schweizer Vorsorgesystems ein.

1000
Milliarden Franken ungedeckte Leistungen der AHV
23
durchschnittliche Rentenbezugsdauer

Die AHV ist zurzeit nicht „generationengerecht“

Die AHV basiert auf einem Generationenvertrag: Jede Generation bezahlt für die ältere Generation ein. Dieses System ist jedoch am Kippen.  Zurzeit bezahlen noch fast vier Erwerbstätige für einen Rentner. Im Jahr 2060 werden es noch zwei sein. Man rechne.

Ab 2019 kippt das Umlageverfahren.

Die AHV ist nach dem Umlageverfahren konzipiert. Das bedeutet, dass die aktuell Erwerbstätigen in die AHV einzahlen und diese Mittel direkt an die Pensionierten weitergeleitet werden. Das funktioniert solange, als die Summe  der Erwerbstätigen mehr einzahlt, als den Pensionären ausbezahlt wird. Dies wird ab 2019 nicht mehr der Fall sein.

Systemfehler.

Nach der heute geltenden Gesetzgebung sind alle zurzeit lebenden Jahrgänge Netto-Empfänger aus der AHV. Die Summe der versprochenen Leistungen ist also grösser, als die gesamten Einzahlungen dieser Jahrgänge. Der Fehlbetrag der ungedeckten, versprochenen Leistungen beläuft sich gemäss einer Studie der UBS auf zurzeit rund CHF 1’000 Milliarden. Wer dabei von einer „sicheren AHV“ spricht verkennt die Realität nicht nur ein wenig.

Ansatz 1: Das AHV-Alter muss erhöht werden.

Um die Probleme bei der AHV abzufedern, muss das AHV-Eintrittsalter erhöht werden. In einem ersten Schritt sollten die Frauen wieder mit 65 pensioniert werden. Dies war bei der Einführung der AHV 1948 bereits der Fall – und damals war die Lebenserwartung bei AHV-Eintritt noch 13 Jahre. Heute sind es 23 Jahre.

In einem zweiten und dritten Schritt sollte das AHV-Alter auf 66 oder 67 Jahre erhöht werden, wenn die Finanzierung nicht vollends aus dem Lot geraten soll.

Ansatz 2: Mehr Einnahmen.

Der zweite Ansatzpunkt ist die Erhöhung der Einnahmen. Dies kann – wie vorgeschlagen – durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer geschehen, was aber einen negativen Effekt auf erwerbstätige Bevölkerung nach sich ziehen würde. Die Erhöhung der Beitragssätze ist wohl unumgänglich.

Für mich ist es ein Akt der Fairness den zukünftigen Generationen gegenüber, wenn wir die Reform des Schweizer Vorsorgesystems („Altersvorsorge 2020“) jetzt nicht nur anpacken, sondern sie auch so ausgestalten, dass alle Generationen ihren Beitrag leisten. Das ist zurzeit nicht geplant.

In der 2. Säule läuft seit Jahren eine illegale Umverteilung.

Auch in der beruflichen Vorsorge, also der 2. Säule, findet eine Umverteilung statt. Auch hier von Jung zu Alt. Weil der Umwandlungssatz zu hoch ist, sind die versprochenen Renten höher, als mit den gesparten Guthaben eigentlich bezahlt werden könnte. Zudem führt auch hier die steigende Lebenserwartung dazu, dass der Kuchen länger zum Leben reichen muss.

Die Umverteilung ist unfair.

Zahlreiche Pensionskassen verwenden die Renditen auf den von den Erwerbstätigen erwirtschafteten Vermögen, um die zu hohen versprochenen Leistungen an die Pensionierten zu bezahlen. In der beruflichen Vorsorge ist die an und für sich illegal, weil die 2. Säule auf dem Prinzip der Kapitaldeckung beruht: Man erhält, was man erspart hat. Weiter findet die Umverteilung über den zu hohen Umwandlungssatz von 6.8% statt.

Der Umwandlungssatz muss sinken.

Wenn der Umwandlungssatz mit 6.8% zu hoch ist, muss er sinken, wenn die Umverteilung gestoppt oder wenigstens gemildert werden will. Gemäss einer Studie der UBS dürfte er selbst bei einer sehr optimistischen Annahme einer erwarteten Rendite (technischer Zinssatz) von 3.5% für heute 55-Jährigen maximal 5.8% betragen. Dieser Satz wird zurzeit politisch festgelegt. Das ist falsch. Es muss möglich sein, einen Mechanismus zu finden, welcher sich an der Realität (erwarteten Renditen, Lebenserwartungen) orientiert.

Zu hohe Verzinsung der Guthaben.

Ein zweiter problematischer Punkt in der beruflichen Vorsorge ist die Tatsache, dass viele Pensionskassen die Guthaben der Versicherten zu hoch verzinsen. Der sogenannte „Technische Zinssatz“, also die angenommene Rendite auf den Guthaben – welche den Versicherten dann auch gutgeschrieben wird – ist zu hoch. Das bedeutet, dass die Pensionskassen Rendite versprechen und gutschreiben, welche nicht erreicht werden können. Zurzeit ist eine durchschnittliche Rendite von rund 2.0% realistisch. Verzinst eine Pensionskasse die Gelder der Versicherten höhen, muss die quersubventioniert werden.

Nur eine realistische Verzinsung ist fair.

Werden die Altersguthaben der Versicherten zu hoch verzinst, ist das schlichtweg unfair, denn dies müssen – einmal mehr – die zukünftigen Generationen berappen, in dem sie beispielsweise höher Lohnabzüge zu vergegenwärtigen haben.

Was denken Sie darüber? Ich freue mich auf Ihre Ideen.