Und wieder hat Mario Draghi die Geldschleusen noch etwas weiter geöffnet. Obwohl er weiss, dass dies die Konjunktur in der EU keinen Deut ankurbelt. Ganz im Gegenteil. Mit der Fortführung der „aussergewöhnlichen Massnahmen“ signalisiert Draghi einerseits, dass die Wirtschaft in Europa nach wie vor im Krisenmodus ist. Oder besser gesagt: Er schreibt ihr vor, dass sie das zu sein hat. Andererseits wird damit die wohl wichtigste Referenzgrösse an den Finanzmärkten – der Preis des Geldes: der Zins – aufs Äusserste manipuliert. Die Folge davonsind massive Fehlanreize und in der Folge Fehlallokationen von Kapital. Die sehr wichtigen Preismechanismen werden ausgeschaltet. Mehr noch: Es werden aktiv Negativzinsen verordnet und Milliarden von Vorsorgekapital werden vernichtet oder „gestohlen“. Sinnigerweise hat genau dieses Verhalten zu globalen Finanzkrise von 2008/2009 geführt: Durch die Politik und die Notenbanken verzerrte und manipulierte Zins- und Hypothekarmärkte.

Notenbanken wurden ursprünglich dafür eingesetzt, um (Hyper-) Inflation zu verhindern und die Währungen dem Einfluss der Politik zu entziehen. 100 Jahre später tun sie genau das Gegenteil: Sie stehen im Dienste der Politik, indem sie den Regierungen der westlichen Welt Zeit kaufen, um dringend notwendige Reformen anzupacken und die von den Staaten zu bezahlenden Zinsen tief zu halten. Gleichzeitig wird versucht, die Inflation anzukurbeln, weil Draghi & Co. meinen, es bestehe eine Wechselwirkung zwischen Wirtschaftswachstum und Inflation.

In Tat und Wahrheit ächzt der Westen unter den unterlassenen Reformen des Arbeitsmarktes und überbordenden Sozialausgaben.

Die Privathaushalte sind daran, ihre angehäuften Schulden abzubauen. Die Firmen ihrerseits schwimmen (wieder) im Geld, halten sich aber in Anbetracht der von Draghi & Co. verbreiteten Unsicherheit mit Investitionen zurück. Sie kaufen lieber eigene Aktien zurück und schütten Sonderdividenden aus. Die Aktionäre freuts. Mittelfristig ist der Investitionsstreik aber verheerend, weil damit Wachstum geschaffen würde.

Es gibt nur eine Lösung: Die Notenbanken müssen endlich den klaren Auftrag erhalten, lediglich die Inflation in Zaum zu halten und nicht noch Konjunktursteuerung zu betreiben, da sie Letzteres gar nicht können. Dies kann gar niemand. Konkret bedeutet dies, dass die „aussergewöhnlichen Massnahmen“ sofort beendet und die Märkte ihrem Schicksal überlassen werden müssen. Nur so kann die Wirtschaft nachhaltig gesund werden und sich selbst erneuern, um fit für die Zukunft zu werden. Gleichzeitig müssen die Regierungen der westlichen Welt liberale Wirtschaftsstrukturen schaffen, in welchen die Firmen prosperieren und Arbeitsplätze schaffen können. Momentan herrscht ein Klima der Unsicherheit und staatlichen Interventionen – und das ist Gift für wachstumsfördernde Innovationen und Investitionen.

Meine Hoffnung, dass global bald die Vernunft siegen wird, sind an einem kleinen Ort. Die Staaten werden im Stile von „Masters of the Universe“ das Heil wieder in schädlichen Interventionen und Dirigismus suchen und damit die Probleme weiter akzentuieren. Warum? Ganz einfach: Die Rückkehr zur Normalität – man kann sagen: der Drogenentzug – wird für viele Menschen und insbesondere Staaten schmerzhaft sein.

Den Wählern reinen Wein einzuschenken ist angesichts des Chaos, welches herrscht, politischer Selbstmord.

Ich sehe niemanden, der als „Winkelried der Neuzeit“ in die Geschichte eingehen möchte. Das ist sehr schade, denn Generationen von jungen Menschen wären dieser Person mehr als dankbar.

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