Am 27. September 2020 kommt die Vorlage über die Einführung eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubes zur Abstimmung.

Ich bin aus verschiedenen Gründen gegen dieses Vorhaben.

Selbstverantwortung. Schweizer Arbeitnehmer sind relativ grosszügig mit Ferientagen ausgestattet. Zudem sind viele Schweizer Firmen mittlerweile so kulant, dass Neo-Väter nach der Geburt eines Kindes einige Tage frei haben. Grosszügige Vaterschaftsregelungen steigern zudem – offenbar – die Attraktivität des Arbeitgebers. Aus diesen Gründen erachtet ich es als fair, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigermassen paritätisch eine Lösung suchen. Das heisst insbesondere auch, dass nicht wieder nur die Arbeitgeber einen Obolus leisten müssen, sondern eben auch die Arbeitnehmer. Selbstverantwortliche Lösungen sollten bereits heute möglich sein und angewendet werden. Beispielsweise mit einer Elternzeit, bei welcher die Eltern selber bestimmen, wer wann im Elternurlaub sein soll. Das wäre eine liberale Lösung.

Bedarf. Ich sehe den Bedarf für einen Vaterschaftsurlaub, welcher über ein oder zwei Wochen hinaus geht, nicht. Als dreifacher Vater kann ich bestätigen, dass einerseits die Beziehung zum Kind nicht in den ersten zwei Wochen aufgebaut wird. Dieser Prozess dauert an und gewinnt insbesondere viel später an Gewicht. In den ersten Tagen nach der Geburt ist der Mann für die Frau eine Entlastung, weil er sie unterstützen kann. Nach einer Woche jedoch sieht das schon wieder anders aus. Es ist nicht einzusehen, warum der Staat diese «Papizeit» finanzieren sollte; dies besonders auch deshalb, weil es keinen ausgewiesenen Bedarf dafür gibt. Es wird kein Missstand beseitigt oder konkreter Mehrwert generiert. Papizeit ist «nice to have». Wenn ich mir die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung mit Corona, Digitalisierung und weiteren Herausforderungen ansehen, bekommen Forderungen wie dem Vaterschaftsurlaub einen faden Beigeschmack.

Finanzierung. Die Arbeit in der Schweiz wird weiter verteuert. Es versteht sich von selbst, dass dies insbesondere in nicht so coolen Branchen mit dünnen Margen eine Herausforderung ist. US-Tech- oder Pharma-Giganten mit Margen von 30-40% können sich grosszügige Lösungen leisten. In der Industrie gefährdet jede weitere Belastung der Löhne auch Arbeitsplätze. Sollen Google & Co. grosszügig sein, aber schreiben wir es einem Stahlgiesser nicht vor. Leider aber werden mit der vorgeschlagenen Lösung wieder einmal alle über den gleichen Leisten geschlagen. Es wird nicht differenziert. Geldverteilung mit der Giesskanne. Ökonomisch bewiesenermassen ein Unsinn.

Wert. Schliesslich fragt es sich: Wie viel ist einem die Geburt eines Kindes wert? Ihre Antwort wird lauten: Viel! Also: Wer 4 oder 5 Wochen Ferien hat, dem sollte die Geburt eines Kindes das «Opfer» von einigen Tagen Ferien Wert sein, oder? Es wird nämlich nicht die letzte Entbehrung gewesen sein. Aber sie lohnt sich.

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

All rights reserved Salient.