Der Multiplikator funktioniert nicht

Der Preis des Geldes sind Zinsen. Wenn mehr Geld im Umlauf ist, sind die Zinsen – also der Preis – gemäss dem Gesetz von Angebot und Nachfrage tiefer. Nur, weil der Preis des Geldes sehr tief ist, verschulden sich die Leute nicht. Weil: Schulden sind eine Schuld, welche nicht einfach konsumiert wird sondern eines Tages zurückgezahlt werden muss. Entweder man hat einen Lohn und kann sparen, um das zu bewerkstelligen oder aber man investiert in ein Projekt, welche durch die Rendite die Schuld von selber abträgt.

Mit dem öffnen der Geldschleusen signalisieren die Notenbanken nun, dass die Zeit unsicher sind. Es wird also nicht investiert und es werden keine Kredite nachgefragt. Möge der Preis dafür noch so tief sein. Ein springender Punkt dabei ist: Wir befinden uns in einem langwierigen Entschuldungsprozess, in welchem die von den 1960-er bis in die 00-er Jahre angehäuften Schulden abgebaut werden. Schulden abbauen bedeutet: Weniger investieren oder konsumieren, als man selber verdient oder Kapitalerträge hat. Der Japanische Ökonom Richard Koo hat dafür – das beste Beispiel vor seiner Haustüre – den Begriff „Bilanzrezession“ geprägt. In einem solchen Umfeld bringt es nichts, die Märkte mit Geld zu fluten. Ganz im Gegenteil: Man schürt Unsicherheit unter Investoren und Unternehmen. Und unter Unsicherheit wird nicht investiert.

Die deflationären Tendenzen auf der Welt sind in einer solchen Entschuldungsphase normal. Denn wenn Überkapazitäten bestehen, müssen die Produzenten ihre Preise (und somit ihre Marge) senken, um ihre Produkte verkaufen und so ihre Fixkosten decken zu können. Die Preise müssen sinken, wenn die Nachfrage gleich bleiben soll.

Inflation entsteht nicht einfach so

Als Handlanger der Politik versuchen die Notenbanken händeringend, Inflation zu schaffen, da dies der einfachste, schmerzloseste und eleganteste Weg ist, die immensen Staatsschulden abzubauen.

Das Gerede über die Inflation lässt ausser Acht, dass Inflation durch Angebot und Nachfrage entsteht. Ich staune, wie wenig diesem einfachen Gesetzt Beachtung geschenkt wird. Es gibt keine empirische Evidenz dafür, dass das Fluten der Märkte mit Geld zu einer Steigerung des Konsums und damit der Preise führt. In den USA, Grossbritannien und sogar der Eurozone war der Zusammenhang in den vergangenen drei Jahren sogar eher negativ.

Ich unterscheide zwischen potentieller (respektive impliziter) und realisierter (respektive expliziter) Inflation. Implizite Inflation ist das Verhältnis der Geldmenge einer Währung zu den realen Gütern des entsprechenden Währungsraumes. In fast sämtlichen Währungsräumen ist in den vergangen Jahren eine grosse implizite Inflation aufgebaut worden, da sich die Bilanzen der Notenbanken und die Geldmengen massiv ausgeweitet haben. Explizite oder realisierte Inflation entsteht nicht einfach, weil die Geldmenge gross ist. Es braucht dazu eine reale Nachfrage nach Gütern, deren Preis die Inflation bestimmen. Inflation wird anhand eines Warenkorbes gemessen (Zusammensetzung für die Schweiz: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/infothek/erhebungen__quellen/blank/blank/lik/03.html). Befinden sich nun Produkte in diesem Warenkorb, welche dem eben erwähnten Phänomen unterliegen, kommt es zu negativer Inflation. Die Inflation wird angebotsseitig und nachfrageseitig beeinflusst. Gibt es in einem Markt, dessen Produkt im Inflationsmessungs-Korb vertreten ist, eine Überproduktion, sinkt dessen Preis naturgemäss, da die Anbieter des Produktes die Preise senken müssen, um den Konsum zu fördern. Andererseits kann es auch sein, dass ein Produkt aufgrund der Sparsamkeit der Konsumenten weniger nachgefragt wird. Auch dann sinken die Preise. Das gehört zum Einmaleins der Volkswirtschaftslehre und ist lediglich die Theorie dessen, was wir Konsumenten aufgrund unserer natürlichen Reflexe verursachen.

Ehrliche Zeitgenossen sprechen hierbei von Deflation. Die panische Angst vor Deflation der Notenbanker stammt von den Erfahrungen, welche man in den 1930-er Jahren resp. während der „Great Depression“ gemacht hat. Damals warteten die Konsumenten – so die Legende – mit dem Konsum, weil sie wussten, dass ein Gut nächste Woche noch günstiger zu haben sein würde. So kollabierten die Preise reihenweise.

Alles, was beispielsweise die EZB mit dem Aufkauf von Staatsobligationen erreicht, ist, dass deren Renditen sinken und damit Pensionskassen und Versicherungen gestraft werden. Es führt weiter zu erheblichen Verzerrungen im wichtigen Preisgefüge an den Finanzmärkten. Das ist brandgefährlich und ich befürchte, dass es kein gutes Ende haben wird. Den letzten Endes ist die Situation relativ klar: Der Westen hat Jahrzehnte über seine Verhältnisse gelebt. Damit wurden massive Schuldenberge angehäuft und die als „normal“ bezeichneten Wachstumszahlen künstlich aufgebläht. Was wir jetzt erleben, ist ein Prozess, der lange dauern wird. Und nur, weil er lange dauert und sehr unangenehm ist, darf es nicht sein, dass die Notenbanken auf Druck der Politik ein Experiment riesiger Dimension wagen, um damit die Bürger von den Konsequenzen des übermässigen Konsums der letzten Jahre zu verschonen.

Die Schweiz muss einen Schutzplan entwickeln

Ich lobe mir die Schweizer Nationalbank, welche bei diesem Schneeball-System nicht mehr mitmachen will. Zum Wohle der Schweiz. Unser Land muss sich aber jetzt darauf vorbereiten, dass die derzeit laufenden Experimente der Notenbanken der Eurozone, Japans und auch der USA zu Effekten führen werden, welche für die Schweiz sehr unangenehm sind. Erste Vorboten erleben wir seit rund 7 Jahren: Ein immer stärker werdender Franken und anhaltende Immigration in die Schweiz, steigende Immobilienpreise und sogenannter „Dichtestress“.

Obwohl es meinem liberalen Herz weh tut, werden wir irgendwann wohl nicht mehr darum herum kommen, den Kapitalverkehr in die Schweiz hinein zu regulieren. Sozusagen eine Masseneinwanderungsinitiative (MEI) für Geld ausländischer Anleger. Nun haben wir noch Zeit, etwas weniger plumpe und ausgereiftere Massnahmen zu überlegen, als es die MEI ist. Allein schon die Ankündigung eines Preisschilds für Anlagen in Schweizer Franken an Ausländer wird mittelfristig einen den Franken schwächenden Effekt haben.

Die Rettungsboote müssen nun gebaut werden.

Hier ein wertvoller Link dazu

 

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