„In einem Land, das exakt weiss, wie hoch der Milchkuhbestand im September 2020 war, fehlen elf Monate nach Pandemiebeginn noch immer wesentliche Covid-19-Daten.“ Dieser Satz aus dem Kommentar der NZZ vom 4. Februar 2021 zur aktuell wohl fehlenden Strategie des Bundesrates im Umgang mit der Covid-Pandemie trifft den Nagel auf den Kopf.

Wenn ich etwas nicht ausstehen und akzeptieren kann, sind es Leute, welche ihren Job nicht machen. Wenn diese Leute über CHF 400’00. – pro Jahr verdienen, umso schlimmer. Und wenn diese Leute den wohl wichtigsten Job des Landes, die Leitung des Gesundheitsministeriums während einer Jahrhundert-Pandemie inne haben, lupft es mir definitiv den Deckel.

Alain Berset ist verantwortlich für das Bundesamt für Gesundheit. Die Aufgabe dieses Amtes wäre es, die Bekämpfung der Pandemie zu leiten. Wäre. Nach einem Jahr Corona hat die Schweiz immer noch kein brauchbares „Führungscockpit“, um handlungsfähig sein zu können und eine Grundlage für Entscheide zu haben. Der Gesundheitsminister und mit ihm der Bundesrat stochert im Nebel. Der egoistisch auftretende und scheinbar herrisch agierende Berset schart überforderte Nicker um sich. Alle Macht und alle Fäden laufen bei ihm zusammen. Der Bundesrat wagt es nicht, ihm einen Teil des Lead wegzunehmen. Seine Leute versagen, bringen nichts zustande, stammeln an „Points de Presses“ bemitleidend Sätze zusammen, die nicht cachieren können, dass ihr Amt im Blindflug ist. Dies hält den Bundesrat nicht davon ab, auf Grundlage von mehr oder weniger keinen Daten das öffentliche Leben massiv zu beschneiden. Und was ist die Folge? Das Volk wird für seine Geduld gelobt. Die Frage sei aber erlaubt: Wie lange lässt sich das Volk die Untätigkeit, die Gleichgültigkeit eines Alain Berset über das Versagen seines Amts noch gefallen?

Es kommt sehr selten vor, dass ich auf einen Exekutiv-Politiker wütend bin, den meistens meinen sie es wenigstens gut und sie können es nicht besser. Es fehlt der böse Wille oder die List. Bei Alain Berset jedoch ist die Sachlage anders. Der Mann weiss ganz genau, was zu tun wäre. Er müsste endlich einmal seinen Leuten vertrauen und Leute um sich scharen, welche ihm das Wasser reichen können. Wie hat doch weiland Steve Jobs gesagt: „Wir stellen nicht Leute an, damit wir ihnen sagen, was sie tun sollen. Sie sollen uns sagen, was wir tun sollen.“

Während die Infektionszahlen im Dezember 2020 durch die Decke gehen, hat Herr Bundesrat die Chuzpe, doch tatsächlich ein Buch über Führung in der Krise zu veröffentlichen. Woher nimmt er diese Zeit? Und welche Führung meint er wohl? Ein solches Verhalten zeugt von einem krankhaft verzerrten Eigenbild und ist ein Hohn für alle, welche sich gleichzeitig in den Intensivstationen und anderen kritischen Systemen abrackern.

Da unsere Medien politisch auf dem gleichen Boot sitzen, wie unser „Leader des Jahres 2020“ (Handelszeitung!), hinterfragen sie die Arbeit von Herrn Berset nicht. Sie lassen sich dafür vor seinen PR-Karren spannen und machen die „Scoops“ auskostend bei seinem montäglichen „Vernehmlassungen bei der Presse“ (bei anderen Bundesräten würde man von „Leaks“ sprechen) noch so gerne mit.

Berset wird wohl nächstes Jahr seinen schönen schwarzen Hut, welchen er geschickt ikonisch einsetzt, nehmen und als „Berater“ arbeiten. Ich bin gespannt, welche Clientele einen Ex-Magistraten engagieren wird, der eigentlich nichts ins Ziel geführt hat.

Aber die Presse wird ihn bestimmt als grossen „Leader“ aus dem Amt jubeln. In Anbetracht des enormen Schadens, welcher er gerade jetzt mit seiner Untätigkeit und Gleichgültigkeit anrichtet, ist dies mehr als nur ungerecht. Und es ist wohl mein Gerechtigkeitsgefühl, welches mich daran hindert, diesen Mann nicht zu bewundern. Das ist minimale Führung – Herr Berset is sozusagen „El lider minimo“.

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  • Rolf Nusbbaumer sagt:

    Mir fehlt in diesem Beitrag – ehrlich gesagt – Stil, Grösse und inhaltliche Substanz. Hätte lieber etwas von den Lösungen gelesen, mit denen die Pandemie optimal bewältigt worden wäre.

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