Am 10. Juni 2018 wird die Schweiz wieder einmal viel Zeit und Geld für eine Abstimmung für eine weltfremde Volksinitiative ausgegeben haben: die sogenannte «Vollgeld-Initiative». Wie so oft bei Initiativen, welche viel versprechen, werden hehre Ziele verfolgt. Das Schweizer Geldsystem soll sicherer werden. Gute Idee. Wer will schon kein sicheres Geldsystem? Nur: Die Lösung der Initianten ist völlig illusorisch und faktisch nicht umsetzbar. Da die Materie sehr technisch ist, kann die Initiative nicht im Rahmen eines Leserbriefes abschliessend widerlegt werden. Von den zig Argumenten gegen die Initiative seien im Folgenden einfach zwei Überlegungsfehler der Initianten aufgezeigt:

  1. Planwirtschaft: Als Lösung sehen die Unterstützer, zu welchen neben Peach Weber auch der Papst zählen soll, in zentraler Planwirtschaft. Doch wer genau soll den so weise und vorhersehend sein, das Schweizer Geldwesen – und indirekt natürlich das Weltgeschehen – vorauszusehen und entsprechend zu planen? Nach der widersprüchlichen Logik der staatsgläubigen Initianten ist es die Schweizer Nationalbank und das Schweizer Parlament. Just also jene Gremien, welche sich mit Händen und Füssen gegen die ihnen zuteil gewordene Ehre wehren würden und welche von den Initianten ja für die angeblichen Probleme mitverantwortlich gemacht werden!
  2. Abschottung: Die Initianten behaupten, dass es mit dem neuen System zu keiner Krise mehr kommen würde. Mag sein. Dann müsste man konsequenterweise die Schweiz vom Rest der Welt abschotten, denn wenn die nächste kleine Krise die Welt erfasst, würden noch mehr globale Investoren in den Schweizer Franken flüchten wollen, welcher mittlerweile zu einem noch rareren Gut mutiert wäre. Dies wird den Franken massiv verteuern und unsere Exportwirtschaft in einen negativen Strudel reissen. Zinsen würden steigen, was die Schweizer Wirtschaft belasten würde.

Weil es international so stark verflochten und dynamisch ist, eignet sich kein anderer Bereich so schlecht für riskante Experimente, wie das Schweizer Finanzsystem.

Viel bessere und ohne Experimente umsetzbare Massnahmen zur weiteren Stabilisierung des Finanzsystems sind die Verschärfung der Kapitalvorschriften für Banken und generell die Vereinfachung der Vorschriften für Finanzinstitute, damit nicht mehr nur eine Hand voll – vermeintliche – Experten, sondern der gesunde Menschenverstand die Stabilität einer Bank beurteilen kann.

Ich bin überzeugt, dass das Volk nicht glaubt, dass jetzt eine Gruppe Unentwegter mit einer Initiative die Herausforderungen der Geldpolitik lösen kann. Schon gerade gar nicht, wenn das System bislang nicht ohne Grund nirgends umgesetzt worden ist. Der Doyen der Schweizer Geldtheorie, Prof. Ernst Baltensberger meint dazu in einem aktuellen Interview mit der «Finanz & Wirtschaft»: «Die Initiative verspricht Wunder. Der Stimmbürger ist klug genug zu wissen, dass solche Wunder kaum je passieren.»

Ohne Not ein hochriskantes Experiment einzugehen ist schlichtweg – sagen wir – nicht sehr intelligent. Deshalb: Seien wir vernünftig und sagen wir am 10. Juni Nein zur Vollgeld-Initiative.

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  • Michael sagt:

    Arno Grüter hat wohl keine richtigen Argumente gegen Vollgeld gefunden; das was er hier abliefert sind auf jeden Fall 2 Strohmannargumente (https://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument): unterstellte Argumente der Befürworter widerlegen, die diese gar nie in die Diskussion gebracht haben:

    1.: Mit Planwirtschaft hat Vollgeld nichts zu tun. Die Nationabank würde die kurzfristig benötigte Geldmenge (wie heute schon) aufgrund ihres Kontaktes mit dem Bankwesen festlegen.

    2.: Mit Abschottung hat Vollgeld ebenfalls nichts zu tun; Abschottung ist weder Absicht noch Folge der Initiative. Vollgeld kann (natürlich) nicht dafür sorgen, dass es nie wieder Finanzkrisen gibt, aber mit Vollgeld wird der Zahlungsverkehr (der zentrale Voraussetzung für die Wirtschaft ist) krisensicher. Das sagen die Initianten ausdrücklich so. Und darum heisst die Initiative ja auch „für krisensicheres Geld“ und nicht „gegen alle Krisen, egal welche Ursache diese haben“.^^

    Wer Verantwortung für die Schweiz übernehmen will, soll sich selber direkt informieren, anstatt sich mit Verkürzungen, Irreführungen und Falschaussagen verängstigen zu lassen:
    Ausführlich: http://www.vollgeld-initiative.ch
    Kurz: http://www.vollgeld-ja.ch

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