Nach der gestern bekannt gewordenen Übernahme des Wiler Zehnder-Verlags mit seinen 25 Regionalzeitungen durch die massgeblich von Christoph Blocher und Markus Somm kontrollierte „Basler Zeitung“ (BAZ) ist ein merkliches Raunen durch die Schweizer Medienlandschaft gegangen.

Nach Aussagen von Pascal Hollenstein, dem Chef der Regionalmedien der NZZ Mediengruppe, ist mit der BAZ-Transaktion kein Rechtsruck in der Schweizer Regionalmedien-Landschaft zu erwarten, da zahlreiche der übernommenen Blätter bereits jetzt rechts der Mitte positioniert sind. Diese letzte Entwicklung reiht sich in die in der Schweiz seit längerem stattfindende Konsolidierung der Medienlandschaft ein. Ringier, Tamedia und die NZZ-Gruppe teilen sich den Kuchen in der Deutschschweiz unter sich auf. Ist das gut so?

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die wirtschaftlichen Realitäten die Verlage dazu zwingen, die „Economies of Scale“, also die Skaleneffekte, spielen zu lassen und Kosten zu senken. Zudem hat sich das Medienverhalten auch in der Schweiz stark geändert. Die Online-Kanäle graben den analogen Medien zunehmend Leser und vor allem Werbeinnahmen ab. In der Schweiz sind zudem die Eigentumsverhältnisse der verschiedenen Verlage klar. Der Leser weiss, mit wem er oder sie es zu tun haben. Das ist in einer Demokratie wichtig. Und solange wir mündige Bürger ausbilden, welche sich eine eigenständige, kritische Meinung bilden können, können die Entwicklungen im Medienbereich getrost dem Markt überlassen werden.

So sehr die Online-Medien die Marktstrukturen aufbrechen – oder wie man heute zu sagen pflegt: disruptiv wirken – so sehr stellen sie auch eine Chance dar.

Die neuen Medien bieten innovativen Medien-Konzepten die Möglichkeit, relativ niederschwellig aktiv zu werden und so zur Medienvielfalt in der Schweiz beizutragen.

Ich sehe eine Analogie zur Bier-Branche. Auch hier war die Konsolidierung in den letzten 20 Jahren enorm. Grosse Teile des Biermarktes werden durch ausländische Bierkonzerne kontrolliert. Diese Entwicklung hat aber nicht dazu geführt, dass die Biervielfalt in der Schweiz abgenommen hat. Einerseits kamen so zahlreiche Biermarken (endlich) in die Schweiz. Und andererseits – und das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung – sind schweizweit zig sogenannte „Micro Breweries“, also Kleinbrauereien, wie Pilze aus dem Boden geschossen und bereichern die hiesige Bierlandschaft. Im Medienbereich sind ähnliche Entwicklungen erkennbar. Es wäre bereichernd, wenn inskünftig mehr sogenannte „Micro Publishers“ online respektive digital aktiv würden. Allerdings ist davon auszugehen, dass analog den Kleinbrauereien lediglich wenige „Micro Publishers“ langfristig aus dem Kleinstsegment herauswachsen werden, denn auch hier gelten die Gesetze des Marktes.

Was mich positiv stimmt ist weiter die Tatsache, dass sich immer wieder Investoren finden, welche arrivierten Medien finanziell unter die Arme greifen. Amazon-Gründer Jeff Bezos hat die Washington Post gekauft und führt diesem Medium sachte in eine neue Welt aus analog und digital. In der Schweiz sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten.

Man kann gespannt sein, was die Zukunft bringt.

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

All rights reserved Salient.