Von zahlreichen sogenannten Experten wird immer wieder betont, dass die Staaten mehr Ausgaben tätigen und sich weiter verschulden sollten, um so via Investitionen die Wirtschaft anzukurbeln. Nun, gut. Keynes war ein gescheiter Mann, welcher viele gute Ideen hatte und das Prinzip der nachfrageorientierten Konjunkturpolitik prägte. Ich persönlich bin ein Verfechter der monetären Politik – also der Konjunkturpolitik über die Steuerung der Geldmenge und Zinsen. Warum? Weil die keynesianischen Rezepte immer wieder an der Politik scheitern. Es ist leider so, dass die selben Politiker, welche die Ausgaben beschliessen, in den guten Zeiten dann die Ausgaben nicht wieder zurückfahren, sondern einmal installierte Budgets einfach im Staatsetat belassen.

Wenn nun also der Ruf nach mehr staatlichen Ausgaben laut wird bin ich skeptisch. Erstens leben wir in Zeiten von im Vergleich zu vor 2007 tieferem Wachstum, weil das Wachstum bis 2007 massiv durch eine Kredit-Blase künstlich aufgebläht war. Wir müssen uns in Zukunft mit Wachstumsraten um die 1-2% pro Jahr begnügen. Die ganze Welt hat tiefere Wachstumsraten zu vergegenwärtigen. Es bringt deshalb nichts, in einer Phase, in welcher sich die Welt am Entschulden ist, einfach mehr Staatsausgaben zu tätigen und exzessive Geld zu drucken. Es kommt in der Wirtschaft nicht an! Es werden keine Investitionen getätigt, sondern Schulden abgebaut. – Es wird im Übrigen auch nicht investiert, weil die dauernde Alarmstimmung der Notenbanken auf die Investitionsmoral der Firmen drückt. Wer investiert den schon, wenn Signore Draghi und Misses Jellen immer wieder weis machen, es stehe nicht gut um die Wirtschaft. Anstelle von Gejammer wäre jetzt eine Straffung der Geldpolitik angesagt, welche im Stile der Schumpeter’schen „Schöpferischen Zerstörung“ die notwendigen strukturellen Bereinigungen endlich ermöglichen und so die Basis für neues, fundiertes Wachstum schaffen würde.

Der Keynesianismus scheitert immer wieder an der Disziplin der Politiker.

Deshalb bin ich nicht dafür, dass auf Kosten der zukünftigen Generationen immer mehr Schulden gemacht werden. Ich kenne keinen Politiker, der bei einem Wachstum von 3-4% dann wieder auf die Bremse stehen und mit den herbeigezauberten Steuereinnahmen die Schulden abbauen würde. Keinen!

Wir leben in Zeiten von epochalen geldpolitischen Experimenten. Wir essen alle lustvoll eine verkehrte Pizza, von der wir nicht wissen, was eigentlich darauf – oder eben darunter – ist. Mit dieser Ungewissheit scheint besonders ein Italiener gut leben zu können. Hauptsache, es gibt Pizza. Pizza sbagliato draghinese.

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