Ich bin kein besonderer Kenner der Schweizer Armee. Aber bezüglich des allgemeinen Zustands der Schweizer Armee beschleicht mich langsam aber sicher ein Gefühl der Ungläubigkeit und des besorgten Staunens. Einerseits scheint es in Bern bei jeder grösseren Beschaffung ein Gezänk um die Notwendigkeit zu geben. Andererseits entnehme ich der Presse, dass offenbar im Parlament über Munitionsvorräte gemutmasst wird. Ich kann mich des Eindrucks der einziehenden Ziellosigkeit und Liederlichkeit nicht erwehren. Wenn man die Entwicklungen in der Welt genau beobachtet, kommt man zum Schluss, dass es sich die Schweiz nicht leisten kann, eine liederliche Armee zu haben. Bezeichnend ist: Dass dabei das Volk über die Beschaffung von Kampfflugzeugen abstimmen muss, ist zwar aus institutioneller Betrachtungsweise schön und gut. Nur: Beim Thema Armee kann es nicht sein, dass ein Laiengremium – also das Volk – über die Beschaffung entscheidet und ein dämlicher Frauenwitz eines Bundesrates zur Unzeit schliesslich dafür sorgt, dass die Stimmung kippt und die Schweiz verteidigungstechnisch bald ohne Dach da steht.

Das Parlament in Bern muss endlich strategisch und vor allem strukturiert vorgehen.

Es muss zusammen mit „Alliierten“ eine professionelle und umfassende Bedrohungsanalyse durchführen, welche diesen Namen verdient (Stichworte: Cyber-Krieg, Terrorismus, Folgen unkontrollierter Migrationsströme). Darauf aufbauend muss es entscheiden, welche Art von Armee es zur Abwehr dieser Bedrohungen braucht. Daraus ergeben sich die Kosten. Wenn das Geld nicht reichen sollte, muss nach Ausmass der Bedrohung priorisiert werden. Es verspricht sich von selbst, dass man bei diesem Vorgehen haushälterisch vorgeht.

Mir scheint ein solch systematisches Vorgehen allgemein gut nachvollziehbar zu sein. Warum das Parlament aber – um eine Analogie zu verwenden – immer wieder darüber streitet, welche Kleider man für die Ferien einpacken soll, bevor man überhaupt bestimmt hat, wohin die Reise geht, ist für mich nicht nachvollziehbar. Auf diese Weise würde das Vertrauen des Volkes wieder gestärkt und das Parlament könnte fundiert über Rüstungsfragen entscheiden.

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