In der NZZ am Sonntag vom 19. Juli 2015 finde ich einen Artikel mit dem Titel „Weib, du sollst stillen!“. Darin behauptet die Autorin, es gäbe eine Still-Lobby, deren Bemühungen der Gleichstellung zuwider laufen und ein reaktionäres Frauenbild propagieren. Wie bitte? Was soll am Stillen reaktionär sein? Niemand zwingt die – heutzutage doch sicher aufgeschlossenen und selbständigen – Frauen, zu stillen. Stillen ist etwas vom Natürlichsten der Welt. Aufgrund der evolutionären Entwicklung kann man wohl sagen, dass es den Kindern sicherlich nicht schadet, und es ist darüber hinaus äusserst praktisch. Die Nahrung ist immer zur Hand, richtig gemischt und wohl temperiert. Also: Was soll ein solcher Artikel?

Ich werde das Gefühl nicht los, dass ein doch grosser Teil der Schweizer Journalistinnen mit dem Schreiben von Artikeln primär eine Art Selbsttherapie praktiziert. Die Damen äussern sich dazu, weshalb sie keine Kinder wollen, weshalb sie nicht stillen, weshalb die Männer immer nur das eine wollen, sie schreiben über vegane Ernährung, über die anzüglichen Blicke der Herren im Hochsommer, über die Unterdrückung ihres Geschlechts und so weiter und so fort. Offenbar entspricht es einem Bedürfnis einer spezifischen Lesergruppe, sich solche Themen zu Gemüte zu führen. Sicherlich liefern sie auch willkommenen Stoff für Gespräche beim Frauenabend oder im Tea Room, pardon: in der Lounge. Abgesehen davon, dass die Damen mit ihren Artikeln rund die Hälfte der Menschheit – die Männer – langweilen, kritisieren sie die Norm. Und das Herumhacken auf der Norm ist einfach, und es bringt Auflage.

Letzten Endes geht es den Damen aber aus meiner Sicht darum, die Tatsache zu verarbeiten, dass der Lauf des Lebens ihnen nicht das schöne Schicksal beschert, welches sie sich vielleicht erträumt haben. Mit ihrem unablässigen Schlechtmachen des natürlichen Dranges nach Geborgenheit und Fortpflanzung schaden diese Frauen dem Image ihres Geschlechts. Sie zementieren das Bild der Frau als Leidende. Jammertanten sollten aus den Schweizer Schreibstuben ausziehen, und an ihre Stelle sollten Journalistinnen treten, welche mit sich im Reinen sind und sich deshalb mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens beschäftigen können.

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

All rights reserved Salient.