Dieser Tage ist mir ein Schreiben des Berufsverbandes „impressum“ der Schweizer Journalisten ins Haus geflogen. Im Schreiben bietet mir der Verband an, dass ich Ende September 2015 in einem Newsletter genannt werde, wenn ich das „Manifest für die Pressefreiheit“ unterschreibe.

So weit, so gut. Ich habe mich zuerst gewundert, dass ich ein Manifest für die Pressefreiheit unterzeichnen sollte, denn ich habe nicht das Gefühl, dass wir in der Schweiz ein Problem damit haben. Aus dem Schreiben geht auch nicht hervor, dass die Pressefreiheit in irgend einer Art und Weise gefährdet sei. Etwas verpackt kommt dann Artikel 5 des Manifestes, in welchem es um die Finanzierung des Service Public geht. Zitat: „Der journalistische Service Public nimmt heute eine wichtige Funktion für die Medienvielfalt, die Gesellschaft und die Politik wahr. Die Diskussion über seine zukünftige Finanzierung ist legitim, wobei die Kleinräumigkeit und Vielfalt der Schweiz zu berücksichtigen sind. Sie ist sachlich zu führen, denn falsche oder überstürzte Entscheide hinterlassen Lücken, die den demokratischen Meinungsaustausch einschränken“. Aha! Des Pudels Kern – die Finanzierung des Service Public. Nun gut. Meine Meinung zum Service Public ist klar. Auch hier soll der Staat nicht mit Privaten im Markt konkurrieren und den Markt spielen lassen. Der Monopolist SRF ist deshalb finanziell (wie im Übrigen die gesamte Verwaltung) an der kurzen Leine zu halten. Das Online-Angebot von SRF ist zwar gut, es sollte aber von Privaten zur Verfügung gestellt werden. Also vom Markt. Was mich besonders stört: Die Formulierung des Satzes suggeriert bereits eine Drohung respektive Behauptung der Journalisten: Wenn der Service Public (sprich: SRF) weniger Geld erhält, gefährdet dies den „demokratischen Meinungsaustausch“. Auf diesen Trick falle ich nicht hinein. Die Richtung der Diskussion um den Service Public soll und muss nicht in Manifesten gelenkt, sondern offen und ehrlich geführt werden. Denn: Demokratie bedeutet letzten Endes eben auch: Wettbewerb der Argumente.

Die Pressefreiheit ist für mich ein zentraler Pfeiler der Schweiz. Aber dieses „Buebätrickli“ war für mich schon Grund genug, das Manifest nicht zu unterschreiben.

Heute hat dann in der Luzerner respektive der Zuger Zeitung der Bericht über den Verkehrsunfall von Philipp Müller am Freitagabend meine Meinung bestärkt: Es gibt Medien, welche nur behaupten, sie seien unabhängig. In Tat und Wahrheit sind sie es aber nicht.

Der Journalist der Luzerner Zeitung wählt als Erstes einen boulevardesken Titel: „Tragischer Unfall mit viel PS“. Solche Titel sind wir uns vom „Blick“ oder der „Bild“ gewöhnt. Aber nun gut: Der Schweizer Journalismus hat in den letzten Jahren nicht an inhaltlicher und stilistischer Qualität gewonnen. Ich nenne es das „Auto-knallt-in-Baum“-Syndrom. Aufreisserische Titel bringen Auflage. Im Text selber enttarnt sich der Journalist dann selber als nicht unabhängig. Es geht ihm auch nicht darum, objektiv zu informieren, was war, denn sonst hätte er nicht den Satz „Privat fährt der Politiker heute einen Mercedes C-Coupé AMG V8-Biturbo mit rund 500 PS“ eingebaut. Was soll denn diese Information, wenn nicht Müller suggestiv als Raser und Bonzen darzustellen? Solche Aussagen sind tendenziös und gehören nicht in eine Zeitung, welche sich als „unabhängig“ bezeichnet. Dem Journalisten unterstelle ich, dass er es gut findet, wenn in Meldungen über Kriminalfälle die Nationalität der Täter nicht genannt wird, weil das ja wohl auch „nichts zur Sache“ tut (obwohl es dies sehr wohl tut).

Solange der Journalistenverband nichts gegen die nicht unabhängig schreibenden schwarzen Schafe in seinen Reihen unternimmt, werde ich kein Manifest mitunterzeichnen, welches sich auf Werte wie Unabhängigkeit und Fairness beruft.

Journalisten sind keine Hofnarren, welche sich alles erlauben können. Journalist sein bedeutet, sich der Verantwortung des Berufes der Allgemeinheit gegenüber bewusst zu sein und entsprechend danach zu handeln. Persönliche Empfindungen haben als solche gekennzeichnet zu werden – dafür gibt es dezidierte Kommentarspalten. In Medien, welche sich nicht als unabhängig bezeichnen (z.B. die NZZ), sieht die Sache anders aus. Da weiss der Leser, aus welcher Ecke geschrieben wird.

Für mich ist der Bericht über Philipp Müllers Autounfall ein „Foul“, welches wohl nicht geahndet werden wird. Solange dies möglich ist, werde ich mich von „impressum“ nicht vor den Karren spannen lassen.

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

All rights reserved Salient.