Eine nicht repräsentative Umfrage bei Eltern von schulpflichtigen Kindern im Alter zwischen 7 und 14 in den Kantonen Zug, Luzern und Zürich bestätigt ein Bild, welches ich in den letzten Jahren gewonnen habe:

Die Eltern werden beim Lernen ihrer Sprösslinge im Vergleich zu früher mehr in die Pflicht genommen.

Bei gewissen Hausaufgaben besteht die explizite Erwartung, dass die Eltern ihr Kind begleiten oder beurteilen. Zudem werden konkrete Aufgaben teilweise durch Lernziele ersetzt, und Aufgaben können, müssen aber je nach Zeitaufwand nicht vollständig gelöst werden. Beides führt dazu, dass die Kinder vermehrt durch ihre Eltern betreut und kontrolliert werden müssen. So gut gemeint sie vielleicht ist, aber diese Entwicklung ist aus meiner Sicht nicht unproblematisch.

Bildungspolitisch stellt sich die Frage, was genau denn nun die Aufgabe des physischen Schulunterrichts sein soll.

Soll den Schülerinnen und Schülern das Wissen oder die Methodik zum selbständigen Erlangen der Bildung oder beides vermittelt werden? Von mir aus gerne beides, wobei die Schule bei der Befähigung zum Erlangen von Wissen davon ausgehen muss, dass dieser Teil ausschliessliche Aufgabe der Schule ist.

Unter dem Blickwinkel der Chancengleichheit ist es unfair, wenn die Eltern so aktiv am Lernprozess der Kinder teilnehmen müssen. Nicht alle Eltern verfügen über das notwendige Wissen und Können, um ihre Sprösslinge wie gewünscht zu unterstützen. Wenn die Eltern des Englischen nicht mächtig sind, wie sollen sie dann ihrem Kind die Aussprache der Himmelsrichtung „South-East“ korrekt vermitteln? Nach dem unbestrittenen Prinzip der Chancengleichheit dürfte der Nachteil der Kinder aus bildungsfernen Schichten nicht durch die Hausaufgaben verstärkt werden.

Die aktuelle Entwicklung ist auch bzgl. Vereinbarkeit von Familie und Beruf problematisch. Nicht alle Kinder, deren Eltern arbeiten wollen oder müssen, werden in Tagesschulen oder durch Tagesmütter betreut, welche auch bei den Hausaufgaben helfen können. Und in diesem Punkt sind sich bildungsnahe und bildungsferne Eltern bestimmt einig: Vor dem Zubettgehen noch Aufgaben zu erledigen, ist anstrengend und wenig sinnvoll.

Der Kanton Schwyz diskutiert über die Abschaffung der Hausaufgaben. Ob man gerade soweit gehen muss, sei dahingestellt. Aber auch im Kanton Zug sollte die Diskussion über die Ausgestaltung des Lernens ausserhalb des Klassenverbunds offen geführt werden. Eine (neue) Balance muss gefunden werden.

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