Wieder einmal ist eine Studie zum Thema Frühfranzösisch gemacht worden. Und wieder ist das Verdikt klar:

Es ist – wie die integrierte Förderung – einer idealistisch und humanistisch geprägten Weltanschauung entsprungen, mit welcher entsprechend ausgerichtete Theoretiker die Politik und die Praktiker überrannt haben.

Weder Schüler noch Lehrpersonen sehen ein, warum in der Grundstufe zwei Fremdsprachen gelernt werden sollten. Es ist für alle Involvierten ein „Chrampf“, welcher nicht zielführend ist. Die Motivation, Englisch zu lernen, ist bei den Schülern eindeutig grösser, da ihnen der unmittelbare Nutzen tagtäglich vor Augen geführt wird. iPhone, Playstation, etc. sei Dank.

Sowohl Schüler, als auch die Lehrer sind mit zwei Fremdsprachen in der Unterstufe überfordert. Tatsächlich muss und darf man in der Deutschschweiz sogar von drei Fremdsprachen sprechen, welche erlernt werden, da Schriftdeutsch nicht unsere Muttersprache ist. Wer behauptet, der Zusammenhalt in der Schweiz stehe auf dem Spiel, dramatisiert doch sehr. Als ich in den 80-er und 90-er-Jahren im Luzerner Hinterland meine Schulbildung genossen habe, wurden – man höre und staune – sowohl Französisch, als auch Englisch erst in der Oberstufe gelehrt. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich ein besseres Verhältnis zu meinen Westschweizer Arbeits- oder Militär-Kollegen hätte, wenn ich deren Sprache schon in der Primarschule gelernt hätte. Für den nationalen Zusammenhalt der Schweiz spielt es keine Rolle, wann eine Sprache gelernt wird, sondern die blosse Tatsache, dass sie im Lehrplan steht. Vor 30 Jahren wäre es niemanden in den Sinn gekommen, den Zusammenhalt der Schweiz in Gefahr zu sehen, weil die Deutschschweizer Französisch erst in der Oberstufe erlernen.

Wenn man den Tatsachen des modernen Lebens ins Auge schaut, sieht man, dass die Romands und Deutschschweizer heutzutage im Geschäftsleben oftmals in Englisch kommunizieren. Ich persönlich kommuniziere mit einem nicht zweisprachigen Kollegen in der Westschweiz entweder in Englisch oder Deutsch. Mein Französisch ist viel zu wackelig, als dass ich eine geschäftliche Konversation führen könnte, welche für beide Parteien zumutbar wäre. Das ist zwar Schade. Aber die Bedeutung des Französischen in unserem Alltag ist zu gering, als dass sich das Erlernen derselben bereits in der Unterstufe rechtfertigen würde. Unsere Kinder sollen zuerst richtig Deutsch und Englisch lernen (in dieser Reihenfolge) und dann die schöne Sprache Französisch für den Alltagsgebrauch in den entsprechenden Sprachräumen aneignen. Im Übrigen haben die Studien eben auch gezeigt, dass das Erlernen der doch recht schwierigen Sprache Französisch in der Oberstufe einfacher vonstatten geht, weil die Lernenden systematischer an die Sache herangehen und sich ihnen den Nutzen des Erlernens der Sprache besser erschliesst.

Ich verstehe nicht, warum die Zentralschweizer Bildungsdirektoren trotz der empirischen Evidenz hartnäckig am Frühfranzösich festhalten. Persönlich bin ich überzeugt, dass in der Primarschule mit dem Englisch-Unterricht begonnen werden muss. Das Französisch hingegen kann bis zur Oberstufe warten. Die Romands sind mir deswegen nicht weniger sympathisch.

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